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Do. 22.1.
Heute komme ich zur morgendlichen MMA (Grappling) Trainingseinheit etwas zu spät, da ich gegen Mitternacht erst ein mal die Runde, die sich lautstark unterhalten hat und mich so um meinen Schlaf gebracht hat, auflösen musste. Andreas juckt's überhaupt nicht, was mir wiederum recht egal ist. Ich wärme mich kurz auf dem Steinboden neben der Mattenfläche auf, während die Gruppe vor sich hinrollt.
Heute hat jemand der uns als "former champion of the king of the cage" (Ryan Diaz) vorgestellt wurde, etwas zur de la riva guard gezeigt. Ich habe das Glück und trainiere mit Ryans mitreisenden Filipino aus Manila, so dass ich stark vom Techniktraining profitiere. Heute gibt es kein "Cardio"-Training, dafür wird viel gerollt. Besagter Filipino hat mir mal wieder den Arsch versohlt. Dieser trainiert etwa so lange wie ich, ist aber im Grappling viel besser. Außerdem ist er einer der ganz wenigen, der relativ einfach aus meiner Rubber Guard rausrutscht.
Apropos Rubber Guard. Vor der Advanced MMA class am Abend habe ich noch mit Daniel trainiert. Er sollte mich aus der Top-Position heraus schlagen, während ich ihn aus der Guard versuche zu submitten, zu sweepen oder evtl. Distanz schaffe und aufstehe.
Und bei meinem letzten breakdown hat's zwar nicht "break" gemacht, aber bissl zu viel Druck in die falsche Richtung. Ich war in der Chill Dog Position und er wollte hochkommen, ist dann aber nach vorne gefallen (ich hab schließlich versucht ihn weiter unten zu halten) und hat sich somit selber einen Inverted Armbar verpasst. Einen Trainer, der am Käfig stand un zugeguckt hat, habe ich sofort nach Eis gefragt, der mich dann zum Campeigenen "Tiger Grill" geschickt hat. Der Pre-Surgery Ladyboy dort hat mir dann auch netterweise Eis in einen Plastikbeutel gefüllt, den ich dann Daniel zum Kühlen seines Ellenbogens gebracht habe.
Nach dem MMA (was für mich aufgrund einiger Wehwehchen aus Schattenboxen, Sandsackarbeit und bisschen Rollen bestand) habe ich Daniel für dieses Missgeschick zum Essen in der Boxer Bar eingeladen.
Das Rollen beim MMA war auch noch mal eine eigene Erfahrung, die eine interessante Diskussion beim Abendessen ausgelöst hat. Beim MMA waren heute zwei Leute, die ich vorher noch nicht gesehen habe. Beide haben auch gesagt, dass sie neu sind. Wie auch immer. Mit Beiden hatte ich das Vergnügen zu rollen. Erstere sah dann aber gar nicht mehr nach Anfänger aus, als er am Boden startend in die SitUp-Guard übergeht. Anhand seiner Positionierung konnte ich sofort erkennen, dass er schon eine Weile Grappling betreibt. Kurze Zeit später bestätigt sich der Verdacht auf Ausübung von BJJ, als ich seine Guard passierte und er sich dabei in mein T-Shirt festhält. Ich habe ihm gesagt, dass das kein BJJ sei und er bitte nicht in meine Kleidung greifen möge. Er entschuldigt sich auch prompt, wiederholt das Reingreifen aber diverse Male. Daher zieh ich mein T-Shirt aus und submitte ihn mit einer Triangle.
Der Andere war eine ganz andere Nummer. Ich lass ihn quasi die Position wählen und er begibt sich in meine Half-Guard. Auf dem Weg dorthin versucht er allerdings schon einen Neck Crank anzusetzen, wobei er den Druck nicht etwa progressiv erhöht, sondern sofort von 0 auf 100 geht. Da dies aber schon ganz Andere erfolglos versucht haben, setze ich meinen Lockdown an und sweepe ihn, so dass ich nun die Oberlage in der Half-Guard habe, die ich auch prompt passiere. Er versucht noch immer den Neck Crank durch zu ziehen. Ich wechsel von der Sidemount zur Knee on Stomach, die nachdem er immer noch nicht wesentlich locker lässt, zur Knee on Chest wird. Ein "Uff"-ähnlicher Laut und ein kurzes Anhebeln seines Kopfes aus dieser Position später löst dann endgültig seinen Griff. Ich spiele ein paar Minuten mit ihm, wandere von Submission zu Submission ohne ihn tappen zu wollen. Nach ein paar Minuten ist er anscheinend so frustriert, dass er aus der Guard heraus mit Hammerfists und Ellenbogen anfängt zu schlagen - ohne mich zu treffen. Das war so nicht gedacht... Ich schüttel nur den Kopf, brech seine Guard auf, stehe auf und entferne mich. Ich hab definitiv keine Probleme mit MMA-Regeln zu kämpfen - ist mir sowieso lieber, wenn ich mich auf einen MMA-Kampf vorbereite. Aber Rollen ist Rollen. Und wenn das viele Runden vorher klappt ohne dass er austickt, wieso dann auf einmal der Mist, wenn er klar dominiert wird? Ego vor der Tür lassen! Erst Recht in Thailand. Das sei aber gar nicht respektlos gemeint, er hatte nur "realistisch" trainieren wollen. Realistisch? Ich habe nicht nachgefragt, was er damit meint. Soll ich ihn nächstes Mal bewusstlos würgen, Bänder im Knie reißen, Arme brechen, auf den Steinboden slammen und in die Gewichte neben der Mattenfläche schläudern? Oder ist das dann zu realistisch?
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